Kim Thúy: Der Geschmack der Sehnsucht

Verlag Antje Kunstmann, 143 Seiten, 16,95 €

⇨  Kim Thúy in Saigon geboren, floh als Zehnjährige mit ihrer Familie nach Kanada. In ihrem ersten Roman „Der Klang der Fremde“ beschreibt sie in eindringlichen Bildern diese Flucht, überfüllte malaysische Flüchtlingslager und das Ankommen nach einer abenteuerlichen Odyssee übers Meer in Kanada. Aus Sicht der zehnjährigen Kim erzählt der Roman vom Schock der Fremdheit, dem Krach, den fremde Stimmen verursachen, aber auch von der Komik der zahlloser Missverständnisse. „Der Klang der Fremde“ ist ein ganz und gar persönlicher Lebensroman einer Emigration.

Mit „Der Geschmack der Sehnsucht“ schließt Kim Thúy an ihr erstes Buch an. Auch hier ist ganz viel eigenes Leben drin. In den Wirren des vietnamesischen Bürgerkriegs wird das junge Mädchen Män immer wieder weiter gereicht und am Ende in eine arrangierte Ehe mit einem älteren Mann nach Kanada geschickt. Was ihr von ihrer Mutter bleibt, ist die Kunst des Kochens, die Sprache der Gewürze, wovon jedes eine eigene Geschichte erzählt, jede Zutat eine besondere Bedeutung hat. Mit Erfolg wird aus der kleinen Suppenküche ihres Mannes ein viel gerühmtes und bekanntes Restaurant. Durch diesen Erfolgt entdeckt Män sich selbst, findet eine neue Sprache, in der ihre Wünsche und Träume zu Wort kommen können.

Wieder hat Kim Thúy einen berührenden Exilroman geschrieben, mit wunderbaren Bildern, Gerüchen, Klängen und dem Geschmack der Sehnsucht. „Ein leiser Roman, als wolle er dem Leser Zeit geben, sich mit fremden Küchen und fremder Kultur vertraut zu machen“ (Chr. Westermann). Dennoch erzählt die Autorin nahezu beiläufig auch von der Brutalität des Krieges und dem Leben als Fremde in einem fremden Land.

Beides Romane, auf die man sich mit allen Sinnen einlassen kann, sollte müsste …